Als ich Samira kennenlernte, lag über ein halbes Jahr Hundealbtraum hinter mir.
Ich hatte mir nach dem Tod meines Mannes einen Herzenswunsch erfüllt und einen Hund aus dem Tierschutz aufgenommen. Einen 6 Monate alten Collie- Schäferhund- Mix, der mit mir und meinem Sohn ein tolles Team bilden sollte. In den ersten Wochen des Kennenlernens zeichnete sich aber schon ab, das dieser Hund mit uns beiden super klar kam, wehe aber jemand wagt es in unsere Nähe zu kommen.
Nach 3 Wochen bat ich die erste Hundetrainerin um Hilfe und bekam den Rat: Bitte direkt zurück an den Tierschutzverein geben, das wird nichts. Bahm!
Der Tierschutzverein und ich sahen das anders und wollten nicht direkt aufgeben, denn es heißt ja immer so schön in den Tierschutzverträgen: kein Hund ist perfekt, speziell Tierschutzhunde brauchen Zeit. So kontaktierte ich also eine zweite Hundetrainerin, die mir mit ganz viel positiver Verstärkung und vielen Entspannungsübungen einen Trainingsplan an die Hand gab, der es ermöglichte die Gesamtsituation etwas händelbarer zu machen. Ich trainierte und trainierte, es gab kleine Erfolge aber die Rückschläge wurde mehr und heftiger, so dass ich mich nach 6 Monaten dazu entschied aufzugeben und für den Hund ein geeigneteres Zuhause zu finden. Nach vielen hartnäckigen und frustrierenden Gesprächen mit dem Tierschutz machte man für mich einen Termin mit Samira, die mir als Spezialistin für aggressive Hunde angekündigt wurde.
Quasi meine letzte Hoffnung. Der Tag kam. Samira betrat zusammen mit Judith in aller Ruhe mein Haus (mein Hund befand sich im Ausnahmezustand in seiner Flugzeugbox. Wenn ich an den Moment zurück denke, als ich ihn aus der Box lassen sollte, bin ich immer noch zu tiefst beeindruckt, welche unfassbare Ruhe Samira ausstrahlte und dann nach ein paar Beobachtungen und Test sagte: „Der Fall ist klar, Du bist bestimmt eine tolle Hundebesitzerin, aber nicht für diesen Hund.“ Und nachdem mir Samira versicherte, dass sie es schaffen würde, ein passendes Zuhause für ihn zu finden, gab ich meinen Herzenshund am 14.September 2019 bei einem kurzen Spaziergang mit ihren Hunden in ihre Obhut. Erleichtert aber auch unfassbar traurig darüber diesem Hund nicht gerecht worden zu sein, hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass mein Hund hier richtig aufgehoben ist und ihm jetzt wirklich geholfen wird.
Samira hatte nun Zeit den erste Eindruck zu prüfen und gab mir schnell eine finale Einschätzung, dass eine Rückkehr zu uns nicht gut für alle Beteiligten wäre. Damit war klar, der Hund bleibt mindestens ein halbes Jahr bei Samira im Training und wenn er dann soweit ist, suchen wir ein tolles „FürimmerZuhause“.
O.K. Nun war ich Hundebesitzerin ohne Hund. – Mein Plan war doch aber anders…..
Aber so oft im Leben kommt es anders als geplant.
Am 22.September schickte mir Samira beiläufig ein Foto einer Hündin, die eine vorübergehende Pflegestelle sucht…. falls ich jemanden kennen würde, der gerade Platz hat.
Wie wäre es mit uns?
Ich wollte helfen und gleichzeitig sah ich in einer Pflegschaft die Chance mein „Pech“ nicht zum Trauma werden zu lassen und wenn Samira, die die Hündin ja kannte, meint das geht, dann geht das. Um mich herum schlugen alle die Hände über den Kopf zusammen (jetzt nicht noch ein Tierschutzhund), aber was sollte schon passieren….
Also zog die etwas größer als gedachte Sina am 03.Oktober als Pflegehündin erstmal für die nächsten 2 Wochen bei uns ein und wenn´s gut laufen würde, dann dürfte sie bleiben, bis sich auch für sie was Festes ergibt. Prima Plan.
Und es lief gut, Sina war zwar erst sehr unsicher und knurrte am ersten Tag bis auf unsere Katze alles an, aber abends lag sie schon zwischen unseren 4 Beinen und genoss Streicheleinheiten.
Wir genossen die Tage mit langen Spaziergängen und dem gegenseitigen Kennenlernen und Sina wurde immer mutiger und selbstbewusster.
Mit Ihrem Selbstbewusstsein und dem Mut den sie gefasst hatte, kam aber auch ihr eigener Kopf durch und ich merkte, das sie begann mich um ihren kleinen Finger zu wickeln und auszutesten, was denn hier wohl so geht. Nachdem sie sich mehrmals losgerissen hatte und abgehauen war, besuchten Samira und Judith uns zur Bestandsaufnahme und zum ersten Training. Schnell war klar, an welchen Stellschrauben ich drehen muss, damit ich Sinas Eigenständigkeit besser auf mich richten kann.
Und das funktioniert bis heute prima.
Nur so nebenbei heißt Sina heute Mina und aus der geplanten Pflegestelle ist ein Zuhause geworden. Und wenn am Ende alles gut ist und zwei Hunde ein gutes Zuhause gefunden haben, dann kann man eigentlich nicht mehr wollen.
Und wir freuen uns, bald wieder mit Samira trainieren zu können und nicht um Probleme zu beheben sondern um Spaß zu haben.

Melanie, Benny und Mina